Der Wahnsinn hat einen Namen: Mardi Gras | Paraden

Hallo Welt,

als ich Anfang Jänner nach New Orleans kam wusste ich, dass in dieser Stadt immer etwas los sein würde und, dass vor allem im Februar hier ziemlich die Post abgeht. Aber das(!) habe ich nicht erwartet.

Der Februar selbst war schon sehr ereignisreich. Wir waren ein paar Symphoniekonzerte, haben unser erstes Basketballspiel der Privateers live gesehen (in der 2.Reihe, weil uns jemand gewonnene Tickets schenkte, woho!), dann war der Superbowl, auf den wir uns schon sehr gefreut haben, weil wir ihn endlich in einer Bar untertags! anschauen konnten. Das hieß also: nicht bis 4:00 Uhr in der Früh wach bleiben zu müssen, wie wir es daheim in Österreich machten. 

Und dann war da ja noch ein Tornardo. Wir hatten ziemliches Glück, dass es in unserer Gegend „nur“ sehr stark geregnet und gewindet hat. Im Osten von New Orleans zog der Tornardo durch und hat dabei einiges zerstört. Eine derartige Naturgewalt kannte ich aus persönlicher Erfahrung bis jetzt noch nicht.

Bevor ich euch gleich von den ganzen Mardi Gras Paraden erzähle, habe ich noch ein paar hilfreiche Tipps für euch:

  • Ladet euch den „Parade Tracker“ aufs Handy. Dort seht ihr zu Mardi Gras alle Paraden, ihre Zeiten, wo sie sein werden (live tracker!), wofür sie stehen und bekannt sind und vor allem welche Dinge sie werfen, die ihr fangen könnt. Diese App ist wirklich ein Highlight und hat uns einiges an Warterei erspart.
  • Vermeidet überfüllte Straßen wie die Canal Street. Je nachdem wo die Parade startet, ist es Uptown wesentlich angenehmer eine Parade zu sehen. Ich werde euch zeigen, wo wir gestanden sind und welchen Platz wir für gut befunden haben.
  • Auf jeden Fall bequeme Schuhe anziehen, genug zu trinken und eventuell einen kleinen Snack mitnehmen. Für gewöhnlich steht man relativ lange an derselben Stelle. (Sonnencreme oder Regenschirm einzupacken schadet auch nicht.)
  • Ein bisschen mehr als sonst auf die Tasche oder Rucksack achten… aber das ist eh klar, bei derartigen Menschenansammlungen.
  • Je nachdem ob ihr auf Beutejagd aus seid oder nicht: eine große Tasche mitnehmen oder versuchen eine zu ergattern, um darin alle Beads und anderen Krimskrams zu verstauen.

Im Prinzip läuft eine Parade so ab: zu Beginn wird sie mit Feuerträgern eingeläutet. Danach folgen Marching Bands oder andere kleine Musikgruppen, Cheerleader, Tanzgruppen, Floats, Könige auf Pferden und andere Kostümierungen und Gruppen – je nach Parade.

Einige dieser Paraden starten schon im Jänner, aber die erste große, die wir sahen war die Krewe du Vieux. Die Anzüglichste unter den Paraden. Bekannt ist sie vor allem für Satire und politische Comedy. Die „Floats“, also Wägen, waren wirklich besonders kunstvoll und sehr kreativ. Fast jedes Float hat auf eine andere Art und Weise und mit verschiedenen übergroßen gebastelten Motiven den amerikanischen Präsidenten durch den Dreck gezogen. 

(Auf den Maps könnt ihr unseren genauen Standort sehen.  Bei denen Plätzen, die wir gut fanden…)

Als wir ein Wochenende bei unserer Freundin Mariana und ihrer Familie in Covington verbrachten, sahen wir die Krewe of Olympia und sahnten zum ersten Mal richtig viele „Beads“ (die berühmten bunten Perlenketten) ab. Weil wir in einer sehr familiären Gegend waren, hatten wir genügend Platz und konnten alles sehen und vor allem: sehr viel fangen. 

Ein paar Tage später haben wir einen ganzen Nachmittag in Uptown vebracht und 3 Paraden zugesehen: Knights of Babylon, Knights of Chaos und die berühmte Krewe de Muses. Letztere ist dafür bekannt, dass selbstdekorierte und verzierte Schuhe in die Massen geworfen werden. Vor allem (und hauptsächlich) Frauen werden hierfür sehr kreativ und basteln Schilder und Plakate, um einen dieser besonderen Schuhe zu ergattern. Wir, (Tworesa, wie uns Armin liebevollerweise umgenannt hat) hatten trotz „Kriegsbemalung“ bei der Parade leider kein Glück einen zu fangen, bekamen aber trotzdem beide(!) die nächste Woche einen geschenkt. Wir Glücklichen, ich weiß! In der Magazine Street haben wir uns endlich einen der berühmten „Dat Dogs“ gegönnt- in dieser Restaurantkette gibt es Hot Dogs in allen Varianten.

Übrigens haben wir uns an jedem Paradentag verkleidet oder zumindest „angemalt“. (Mit den wenigen Kostümierungs- und Schminkmöglichkeiten, die wir hatten.)

Die nächsten Paraden die wir sahen, waren die Krewe de Iris, Krewe de Tucks und Krewe de Endymion. Eigentlich haben wir an diesem sonnigen Tag (als Hippies verkleidet) nur geplant, uns die ersten beiden anzuschauen. Eine amerikanische Familie, die seit 07:30 Uhr in der Früh einen Platz an forderster Front reserviert hat, überredete uns aber für die große Krewe de Endymion zu bleiben. Der Bruder einer der Frauen fuhr nämlich auf dieser Parade mit und wir dürften diese bekannteste Parade unter gar keinen Umständen verpassen. Sofort wurden uns Jellyshots, Bier und ein großer Sack in die Hand gedrückt mit der Aussage, dass wir den bestimmt brauchen werden. Da standen wir also: ganz vorne und wurden von den Touristen in den hinteren Reihen beneidet. Wir sahen Flo Rida und Kiss, die als Special Guests auf einem der Floats mitfuhren und genossen die perfekte Sicht auf die Parade. Die Massen an verschiedenen Beads, Becher und Klopapier! konnten wir ja in unserer Tasche verstauen. Wirklich lächerlich wurde das Ganze erst, als besagter Bruder unserer neuen Bekannten mit seinem Float vorbeifuhr. Wir wurden mit Ketten überhäuft. Der Abend endete damit, dass wir nach der Parade in der Kälte über 1,5 Stunden (und schon ein bisschen grantig) auf den Bus gewartet haben, um dann doch mit dem überteuerten Uber nach Hause zu fahren. Über die Öffisituation in dieser Stadt könnte ich fast einen eigenen ganzen Post schreiben… 


Am nächsten Tag ging’s dann auch schon weiter! Ihr seht, wir waren nicht zu bremsen. Mit dem Bus ging es (überraschenderweise ohne Probleme!) nach Uptown, um dort die Krewe of Bacchus zu sehen. Diese stand heuer unter dem Motto der Saints – dem Footballteam. Deshalb waren wir passend in schwarz-gold gekleidet und mit gemalter Lilie auf der Wange vorbereitet. Am gleichen Abend haben wir mit Tobi die Oscarnacht im Prytania Theater angesehen und beim peinlichen „best picture fail“ ordentlich mitgefiebert. (Wir alle waren definitiv Team Moonlight – La La Land hat mich wirklich nicht überzeugt.)

Dann war auch schon Lundi Gras– der Montag vor Mardi Gras Day. Ihr seht, der „große“ Mardi Gras Tag kommt erst noch… 

Jedes Jahr findet an besagtem Tag ein großes Festival am Riverwalk statt. Verschiedenste Bands spielen auf großen Bühnen und es gibt zahlreiche Essensstände, an denen ich mich am liebsten einmal durchprobiert hätte. Ein „Pulled Pork Burger“ und ein „Strwaberry Shortcake“ als Nachtisch mussten aber reichen. Nachdem die letzte Band ihren Auftritt mit knalligem und buntem Feuerwerk beendet hatte, war es wieder Zeit für eine weitere Parade: Krewe of Proteus. Im Anschluss wäre noch die Krewe de Orpheus gewesen, aber die haben wir ausgelassen. Wir wollten halbwegs fit sein für den nächsten Tag: Mardi Gras Day.

Kreativ werden, Verkleidungen überlegen, auf eine besondere Art schminken und dann in der Stadt die anderen Menschen mit ihren Kostümen bewundern – genau das liebe ich am Fasching. Mardi Gras Day war intensiv: Wir sind am Faschingsdienstag um 06:00 Uhr aufgestanden, um uns fertig zu machen. Wir standen deshalb so früh auf, weil die Zulu Parade schon am Vormittag losging und wir mit dem Bus in die Stadt fuhren. Verkleidet haben wir uns im Gatsby-Stil: Glitzerkleid mit Fransen, Wasserwelle im Haar und knallroten Lippen… die Zulu Parade, bei der verzierte Kokosnüsse geworfen werden, schauten wir uns bei einer Stelle an, bei der fast nur Einheimische waren. Es wurden die Campingstühle aufgestellt, der Griller angeheizt und zuckersüße Säfte und Jelly Shots verkauft. Tworesa mittendrin im Wahnsinn. Wir gingen deshalb genau dort hin, weil uns ein Busfahrer erzählte, dass wir bei dieser Stelle auf Mardi Gras Indians treffen könnten… und genau die haben wir dann auch gesehen!


Den Rest des Tages feierten wir im Frenchquarter und genossen jede Sekunde. Wir sahen die verrücktesten Kostüme und aufwendigsten Make-ups, Körperbemalungen und die originellsten Verkleidungen. New Orleans, du lebensfrohe, aufregende und durchgeknallte Stadt.

Die wirklich letzte Parade, die wir uns ansahen, war die St. Patrick’s Day Parade. Sie findet immer eine Woche vor dem eigentlichen St. Patrick’s Day in Uptown statt. Das war eine jener, die mir am besten gefallen haben. Meine Schwäche für Irland kennen die meisten – also könnt‘ ihr euch vorstellen, dass ich ganz begeistert war von dieser grünen, irisch angehauchten, herzlichen Parade. Bekannt ist sie übrigens dafür, dass Kohlköpfe und anderes Gemüse wie beispielsweise Karotten geworfen werden und Plastikblumen oder Strumpfbänder gegen ein Bussi auf die Wange an die Zuschauer verteilt werden. 


Nach 12 Paraden, ca. 62.400 Schritten (danke Health App!) und zwei müden „Theresen“ legten wir nach diesem Mardi Gras Wahnsinn ein paar Fastentage ein und holten einiges an Schlaf nach. Jetzt bin ich schon ein bisschen froh, dass die Paraden alle vorbei sind, auch wenn es eine wirklich tolle und sehr aufregende Zeit war…

Im nächsten Post erzähle ich euch ein bisschen mehr über die Mardi Gras Indians und unser ereignisreiches und vollgepacktes Wochenende.

Stay tuned :-)

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